Schuhmacherwerkstatt

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Die Schusterwerkstatt entspricht in ihrer Ausstattung der Zeit um 1910/20. Schuhmacher in Wikipedia Jedoch waren Schustereien in dieser Form noch bis in die 1950er/70er Jahre auch in Maulbronn zu finden.

Schuhmacher in Maulbronn

Die Werkstatt von Schuhmacher Kern befand sich bis in die 1950er Jahre im Silahopp 1/1. Das Geschäft von Schuhmacher Walzer war bis in die 1960er Jahre in der Stuttgarter Straße 6 ansässig. Walter Dörr übernahm das Geschäft von Schuhmacher Walzer, bevor er in die Füllensgasse 6 umzog. Ende der 1970er Jahre gab er sein Geschäft schließlich auf.

Beitragsbuch der Schuhmacher-Innung 1949-73
Maulbronner Mitglieder in der Schuhmacherinnung


Füllensgasse 6,8 und 10. Um 1970. Haus Nummer 6 vorne: ABC Schuhe, das Geschäft von Walter Dörr - früher: Küferei Münsinger


Der letzte Schuhmachermeister in Maulbronn, Stuttgarter Straße 2/1, Ekkehard Merz hat sein Geschäft 2022 geschlossen. In diesen Räumlichkeien hatte bis in die 1950/60er Jahre der Sattler Sieb seine Werkstatt. [1]

Ausstellung

Die Ausstellungsstücke sind von unterschiedlicher Herkunft und Spenden aus der Region. Die Grundausstattung stammt wohl von Frieder Braun aus Knittlingen.[2]

Die Nähmaschine

Bei der Nähmaschine handelt es sich um eine Koch-Adler 30-1 mit der Seriennummer 43168. Maschinen diesen Typs wurden zwischen 1922 und 1935 hergestellt. [3]

Nähmaschine Koch-Adler
Nähmaschine Signet

Leisten

Der Leisten ist ein Formstück aus Holz, Kunststoff oder Metall, das der natürlichen Form des Fußes nachempfunden ist und beim Bau eines Schuhs verwendet wird.

Er verleiht dem Schuh – genauer gesagt dem Schaft, also dem Schuhoberteil – seine endgültige Form. Der Leisten ist somit ein vereinfachtes Abbild des Fußes, maßgeblich für die Passform verantwortlich und prägt das spätere Aussehen des Schuhs. [4]

Leisten Halbschuhe
Leisten für Stiefel

Ackerschuh

Ackerschuhe mit Stollen

Um die Haltbarkeit der Ackerschuhe zu erhöhen und auf rutschigem Untergrund besseren Halt zu gewährleisten, wurden Eisenstollen in die Sohlen eingeschlagen. Diese Technik hat eine lange Tradition: Bereits römische Legionäre trugen mit Eisenstiften beschlagene Marschsandalen, die sogenannten Caligae. Sie boten auf unwegsamem Gelände festen Tritt und galten als unverzichtbar für lange Märsche. [5]

Schuhmacherkugel

Schuhmacher Kugel

Die sogenannte Schusterkugel ist ein historisches Lichtverstärkungsmittel, das im 18. und 19. Jahrhundert vor allem von Schustern, Schneidern und anderen Handwerkern verwendet wurde. Es handelt sich um eine hohle, meist wassergefüllte Glaskugel, die in unmittelbarer Nähe zu einer Lichtquelle – typischerweise einer Petroleum- oder Öllampe – positioniert wurde.

Die kugelförmige Geometrie des Glases wirkt ähnlich einer Linse: Sie bündelt und lenkt das Licht in eine bestimmte Richtung. In gefülltem Zustand (häufig mit Wasser) verstärkte sich dieser Effekt. Dadurch konnte das Licht einer einzigen Flamme deutlich effizienter genutzt und der Arbeitsbereich gezielt und stark ausgeleuchtet werden – ein entscheidender Vorteil in Zeiten vor der Elektrifizierung.

Im gezeigten Ensemble wird die Schusterkugel von einer klassischen Petroleumlampe erhellt. Das Licht tritt auf die Kugel, wird durch ihre Form gebrochen und in einem relativ engen Kegel auf den Arbeitstisch fokussiert.

Schuhmacher Presse

Presse

Die Klebepresse gibt Druck auf die zu verklebenden Teile zur besseren Haftung der zuvor geleimten Schuhsohle. Die Vorrichtung besteht aus zwei separat bedienbaren Pressstationen. Jede Einheit verfügt über einen beweglichen, vertikal geführten Druckstempel, der mithilfe einer Spindel und Kurbel präzise abgesenkt und fixiert werden kann. Durch das Anziehen der Spindeln wurden die eingesetzten Schuhe nach dem Prinzip des Schraubstockes fest auf die beiden Kissen, bestehend aus einem Rahmen aus Eisen, einer Bettung aus Holz sowie einem mit Luft oder Wasserglas gefüllten Lederbeuteln, gepresst und somit die mit Leim verklebten Sohlen unter längerem konstanten Druck mit den Schuhen verbunden. [6]

Die Presse wurde auch eingesetzt, um das zuvor genässte Leder dauerhaft über einen Leisten zu ziehen und in die gewünschte Schuhform zu pressen. Das Ziel dieser Arbeit war es, das Leder unter gleichmäßigem Druck dauerhaft in Form zu bringen. Nach dem Trocknen behielt das Oberleder die neue, fußgerechte Form, wodurch Passgenauigkeit und Tragekomfort sichergestellt wurden.

Karussell

Karussell mit Kleinteilen

Das Bild zeigt ein sogenanntes Schuster-Kleinteile-Karussell, ein klassisches Utensil in alten Schuhmacherwerkstätten. Es diente zur übersichtlichen und griffbereiten Aufbewahrung von Kleinteilen, die beim Herstellen oder Reparieren von Schuhwerk verwendet wurden. Hier eine genauere Beschreibung des Inhalts:

Aufbau: Das Karussell besteht aus einem drehbaren Metallteller mit mehreren runden Vertiefungen (ähnlich wie Muffinförmchen), in denen verschiedene Materialien getrennt aufbewahrt werden.

Es handelt sich um ein handwerkliches, robustes Arbeitsgerät, typischerweise aus Gusseisen oder schwerem Metall gefertigt, damit es stabil auf der Werkbank steht.

Inhalt der Vertiefungen:

  • Holznägel oder Holzdübel

In mehreren der Fächer befinden sich kleine Holzstückchen – das sind typische Holznägel, die früher verwendet wurden, um Schuhsohlen zu befestigen. Sie wurden oft statt Metallnägeln eingesetzt, besonders bei Ledersohlen.

  • Metallplättchen / Beschläge

Mehrere Fächer enthalten kleine, gebogene Metallteile mit Bohrungen – Schuhbeschläge oder Verstärkungsplatten für die Absätze oder Sohlen. Diese konnten auch zur Befestigung von Absätzen oder zur Stabilisierung dienen.

  • Schuhnägel / Stifte

Ein Fach enthält kleine Eisennägel mit breitem Kopf – typische Schuhnägel, auch als „Schusterstifte“ bekannt. Sie wurden zum Befestigen der Laufsohle oder Absätze verwendet.

  • Teerballen oder Pechklumpen

In einem Fach befindet sich ein dunkler, harter Klumpen – wahrscheinlich ein Stück Pech oder Teer. Dieses wurde zum Imprägnieren von Fäden oder Leder verwendet (z. B. beim Nähen der Sohlen mit Hanffaden, der durch das Pech wasserfest gemacht wurde).

Funktion:

Das Karussell konnte auf der Werkbank gedreht werden, sodass der Schuster schnell Zugriff auf die benötigten Teile hatte, ohne lange suchen zu müssen. Dies optimierte den Arbeitsfluss bei der Schuhreparatur oder -anfertigung.

Video

Das folgende 83 minütige Video aus dem Jahr 1990 zeigt den damals 85-jährige Schuhmachermeister Josef Esser, wie in mehr als 100 Arbeitsschritten ein Schuh von Hand gefertigt wird.

Video in Wikipedia

Einzelnachweise

  1. die genauen Jahre müssen noch verifiziert werden
  2. nach Kurt Haas Juli 2019
  3. Vergleiche hierzu https://rlp.museum-digital.de/object/122094
  4. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Leisten
  5. siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Caliga
  6. siehe https://nat.museum-digital.de/singleimage?imagenr=848738