Winzerei: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Museumswiki
 
(21 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 3: Zeile 3:
== Geschichtliches zum Weinbau in Maulbronn ==
== Geschichtliches zum Weinbau in Maulbronn ==


[[Datei:GHV Winzerei-Closterberg-2026-03.JPG|thumb|350px|Klosterberg März 2026]]
Der Weinbau in Maulbronn geht auf das 1147 gegründete Zisterzienserkloster Kloster Maulbronn zurück. Der Zisterzienserorden wurde 1098 im burgundischen Kloster Cîteaux nördlich von Beaune gegründet. Bereits am Weihnachtstag 1098 erhielt der Orden vom Herzog von Burgund bei Meursault einen Weinberg geschenkt. Der Weinbau gehörte somit von Beginn an zur wirtschaftlichen Grundlage des Ordens.
Der Weinbau in Maulbronn geht auf das 1147 gegründete Zisterzienserkloster Kloster Maulbronn zurück. Der Zisterzienserorden wurde 1098 im burgundischen Kloster Cîteaux nördlich von Beaune gegründet. Bereits am Weihnachtstag 1098 erhielt der Orden vom Herzog von Burgund bei Meursault einen Weinberg geschenkt. Der Weinbau gehörte somit von Beginn an zur wirtschaftlichen Grundlage des Ordens.
Die Zisterzienser spezialisierten sich auf eine systematische Bodenbewirtschaftung. Sie experimentierten mit unterschiedlichen Bodentypen sowie mit Rebschnitt-, Veredelungs- und Kellertechniken und trugen wesentlich zur Professionalisierung des mittelalterlichen Weinbaus bei.<ref>Weinlexikon, Stichwort „Zisterzienser“, in: https://glossar.wein.plus/zisterzienser</ref>
Die Zisterzienser spezialisierten sich auf eine systematische Bodenbewirtschaftung. Sie experimentierten mit unterschiedlichen Bodentypen sowie mit Rebschnitt-, Veredelungs- und Kellertechniken und trugen wesentlich zur Professionalisierung des mittelalterlichen Weinbaus bei.<ref>Weinlexikon, Stichwort „Zisterzienser“, in: https://glossar.wein.plus/zisterzienser</ref>
Zeile 18: Zeile 19:
In dieser Zeit wurden häufig ertragreiche, jedoch qualitativ problematische Sorten angebaut, darunter die sogenannten „Putzscheren“, eine Tokajer-Variante, die hohe Erträge lieferte, im württembergischen Klima jedoch oft nicht vollständig ausreifte.
In dieser Zeit wurden häufig ertragreiche, jedoch qualitativ problematische Sorten angebaut, darunter die sogenannten „Putzscheren“, eine Tokajer-Variante, die hohe Erträge lieferte, im württembergischen Klima jedoch oft nicht vollständig ausreifte.
=== Reformbestrebungen im 18. und 19. Jahrhundert ===  
=== Reformbestrebungen im 18. und 19. Jahrhundert ===  
[[Datei:GHV Winzerei-Sprenger-Weinberg.JPG|thumb|300px|Hinweistafel zu Balthasar Sprenger]]
Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf der Maulbronner Klostergemarkung systematische Verbesserungen in Landwirtschaft und Weinbau angestrebt. Maßgeblich beteiligt waren der Seminarprofessor Balthasar Sprenger, ein ausgewiesener Önologe, sowie der Klosterverwalter Johann Conrad Nast. Ihr Ziel war die Bewirtschaftung der Weinberge nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf der Maulbronner Klostergemarkung systematische Verbesserungen in Landwirtschaft und Weinbau angestrebt. Maßgeblich beteiligt waren der Seminarprofessor Balthasar Sprenger, ein ausgewiesener Önologe, sowie der Klosterverwalter Johann Conrad Nast. Ihr Ziel war die Bewirtschaftung der Weinberge nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Nach ihrem Tod ließ der Reformelan jedoch nach. Anfang des 19. Jahrhunderts wäre eine Erneuerung der Weinberge am Klosterberg erforderlich gewesen; stattdessen entschied das Kameralamt 1822, Klosterberg, Billensbacher Berg und Eilfinger Berg zu verkaufen. Scheuelberg und Seidehof waren bereits 1819 privatisiert worden.
Nach ihrem Tod ließ der Reformelan jedoch nach. Anfang des 19. Jahrhunderts wäre eine Erneuerung der Weinberge am Klosterberg erforderlich gewesen; stattdessen entschied das Kameralamt 1822, Klosterberg, Billensbacher Berg und Eilfinger Berg zu verkaufen. Scheuelberg und Seidehof waren bereits 1819 privatisiert worden.
Der Wieslocher Weinfachmann Johann Philipp Bronner beklagte 1837 den Niedergang des Klosterbergs: „Der größte Theil ist nun mit Klee und Kartoffeln angepflanzt.“<ref>Martin Ehlers/Andreas Felchle: Maulbronn. Heimatbuch, Band 1, S. 127 ff.</ref> Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieben nur noch geringe Reste der einstigen Rebflächen erhalten.
Der Wieslocher Weinfachmann Johann Philipp Bronner beklagte 1837 den Niedergang des Klosterbergs: „Der größte Theil ist nun mit Klee und Kartoffeln angepflanzt.“<ref>Martin Ehlers/Andreas Felchle: Maulbronn. Heimatbuch, Band 1, S. 127 ff.</ref> Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieben nur noch geringe Reste der einstigen Rebflächen erhalten.
=== Neuzeitliche Entwicklung einzelner Lagen ===
=== Neuzeitliche Entwicklung einzelner Lagen ===
Der Eilfinger Berg wurde 1872 von der Hofkammer des Hauses Württemberg erworben und wird bis heute vom Weingut Herzog von Württemberg bewirtschaftet.<ref>https://weingut-wuerttemberg.de/index.php?&site=page1#weingut</ref>
Der Eilfinger Berg wurde 1872 von der Hofkammer des Hauses Württemberg erworben und wird bis heute vom Weingut Herzog von Württemberg bewirtschaftet.<ref>https://weingut-wuerttemberg.de/index.php?&site=page1#weingut</ref>
Zeile 28: Zeile 31:


== Die kleinen Wengerter ==
== Die kleinen Wengerter ==
[[Datei:GHV Esenwein10.jpg|thumb|300px|Familie Esenwein vom Elfinger Hof und Helfer - Vesper bei der Weinlese 1968]]


Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Reblauskrise den Weinbau nahezu zum Erliegen. Erst durch die Einführung von Pfropfreben – heimische Rebsorten wurden auf resistente amerikanische Unterlagsreben veredelt – gelang um die Jahrhundertwende der Wiederaufbau der Weinberge. Diese Umstellung bildet die Grundlage des modernen europäischen Weinbaus.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Reblauskrise den Weinbau nahezu zum Erliegen. Erst durch die Einführung von Pfropfreben – heimische Rebsorten wurden auf resistente amerikanische Unterlagsreben veredelt – gelang um die Jahrhundertwende der Wiederaufbau der Weinberge. Diese Umstellung bildet die Grundlage des modernen europäischen Weinbaus.
Zeile 38: Zeile 43:


<div style="float:left;">
<div style="float:left;">
[[Datei:GHV_Winzer_Museum_2012_013_ds.JPG|thumb|350px|Blick in den Winzereibereich]]
[[Datei:GHV_Winzer_Museum_2012_013_ds.JPG|thumb|300px|Blick in den Winzereibereich]]


</div>
</div>
<div style="float:left;">
<div style="float:left;">
[[Datei:GHV_Winzer_Museum_2014_006_ds.JPG|thumb|450px|Winzerin und Winzer]]
[[Datei:GHV_Winzer_Museum_2014_006_ds.JPG|thumb|500px|Winzerin und Winzer]]


</div>
</div>
Zeile 54: Zeile 59:
Dieses Werkzeug diente zur Bearbeitung von Weidenruten. Dünne Weidenruten wurden verwendet, um Rebstöcke zu binden.
Dieses Werkzeug diente zur Bearbeitung von Weidenruten. Dünne Weidenruten wurden verwendet, um Rebstöcke zu binden.


'''Butte'''
<div style="float:left; margin-right:10px;">
  [[Datei:GHV Winzerei-Weidenschlitzer-Rebscheren.JPG|thumb|400px|Weidenschlitzer und Rebscheren]]
</div>


Die Butte wurde bei der Weinlese von Hand zum Transport der Trauben aus dem Weinberg genutzt. Auf einen Buttenträger kamen etwa acht Traubenleser.
<div style="float:left;">
  [[Datei:GHV Winzerei-Eichmass150l.JPG|thumb|320px|Eichmaß 150 Liter]]
</div>
<div style="clear:both;"></div>




Zeile 63: Zeile 73:
Der frisch gekelterte Traubenmost oder auch der fertig ausgebaute Wein wurde häufig direkt aus dem Bottich oder Fass an Privatpersonen oder Gastwirtschaften verkauft. Das regional gebräuchliche Maß war 1 Eich = 150 Liter. Zwei Eich ergaben einen Eimer. Es wurden jedoch auch kleinere Maße wie das ausgestellte 15-Liter-Gefäß verwendet.
Der frisch gekelterte Traubenmost oder auch der fertig ausgebaute Wein wurde häufig direkt aus dem Bottich oder Fass an Privatpersonen oder Gastwirtschaften verkauft. Das regional gebräuchliche Maß war 1 Eich = 150 Liter. Zwei Eich ergaben einen Eimer. Es wurden jedoch auch kleinere Maße wie das ausgestellte 15-Liter-Gefäß verwendet.


'''Presse'''
'''Traubenraspel'''


Die ausgestellte Traubenpresse stammt von der Firma Amos aus Heilbronn, einem Hersteller von Landmaschinen und Weinbaugeräten. Die 1860 gegründete Firma zählt noch heute zu den führenden Herstellern von Anlagen für die Weinherstellung.
Die ausgestellte Traubenraspel stammt von der Firma Amos aus Heilbronn, einem Hersteller von Landmaschinen und Weinbaugeräten. Die 1860 gegründete Firma zählt noch heute zu den führenden Herstellern von Anlagen für die Weinherstellung.
Das Entfernen der Maische aus der Presse war oft schwierig und mühsam, da das Pressgut zunächst aufgelockert werden musste.
Das Entfernen der Maische aus der Raspel war oft schwierig und mühsam, da das Pressgut zunächst aufgelockert werden musste.


<div style="float:left;">
<div style="float:left;">
Zeile 78: Zeile 88:
<div style="clear:both;"></div>
<div style="clear:both;"></div>


'''Butte'''
Die Butte wurde bei der Weinlese von Hand zum Transport der Trauben aus dem Weinberg genutzt. Auf einen Buttenträger kamen etwa acht Traubenleser.
=== Frostschutz im Weinberg – Rebofen und Ölfüllkanne ===
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten Frostschutzöfen zur Ausrüstung vieler Weinberge. Spätfröste im Frühjahr konnten junge Rebaustriebe zerstören und damit eine gesamte Ernte gefährden. Um die empfindlichen Reben zu schützen, stellten Winzer bei Frostgefahr zahlreiche kleine Öfen zwischen den Rebzeilen auf. Diese sogenannten Reböfen oder Frostschutzöfen wurden meist mit Heizöl oder Schweröl befeuert. Sie erzeugten Wärme und Rauch, wodurch sich die Luft in Bodennähe leicht erwärmte und die nächtliche Ausstrahlungskälte vermindert wurde.
Der hier gezeigte Rebofen (Öl-Frostschutzofen) besteht aus einem Metallbehälter mit Brennraum, Luftlöchern und Abdeckung. Im Weinberg standen oft mehrere hundert solcher Öfen, die bei drohendem Frost in der Nacht entzündet werden mussten.
Zum Befüllen der Öfen verwendeten die Winzer spezielle Ölfüllkannen mit langem Ausgussrohr. Mit ihnen ließ sich das Heizöl gezielt und ohne Verschütten in die kleine Einfüllöffnung der Öfen gießen. Der lange Auslauf erleichterte das Arbeiten zwischen den dicht stehenden Rebstöcken.
<div style="float:left;">
[[Datei:GHV Winzerei-Ölheizung.JPG|thumb|250px|Rebofen]]
</div>
<div style="float:left;">
[[Datei:GHV Winzerei-Ölheizung-Kanne.JPG|thumb|170px|Ölfüllkanne]]
</div>
<div style="clear:both;"></div>


Die Beheizung von Weinbergen mit Ölöfen war arbeitsintensiv und verursachte starke Rauch- und Schadstoffbelastungen. In Baden-Württemberg wurde diese Praxis deshalb schrittweise aufgegeben und seit den 1980er-Jahren aus Gründen des Umwelt- und Immissionsschutzes nicht mehr zugelassen. Heute werden zur Frostabwehr andere Methoden eingesetzt, etwa Windmaschinen, Frostberegnung oder mobile Heizsysteme. <ref> Literatur:
* Bauer, Karl; Regner, Ferdinand; Friedrich, Barbara: Weinbau. 9. Aufl., Wien 2013, S. 218–221.
* Müller, Edgar; Lipps, Hans-Peter; Walg, Oswald: Weinbau. Stuttgart: Ulmer, 2008, S. 167–170.
</ref>


Bilder: Winzerei, Weidenschlitzer, Hohlmaß, Presse
<gallery mode="slideshow" widths="150" heights="150" caption="Winzer Werkzeuge - bitte blättern">
Datei:GHV Winzerei-Bodenbearbeitung.JPG|Werkzeuge zur Bodenbearbeitung
Datei:GHV Winzerei-Budde.JPG|Budde
Datei:GHV Winzerei-Kelterbaum.JPG|Modell eines Kelterbaums - 1698
Datei:GHV Winzerei-Trauben-Reibe (-Quetsche).JPG|Traubenreibe
Datei:GHV Winzerei-Trauben-Reibe-Innen.JPG|Traubenreibe - Innenansicht
</gallery>


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Aktuelle Version vom 11. März 2026, 18:05 Uhr

Hauptseite > Erdgeschoss >Winzerei

Geschichtliches zum Weinbau in Maulbronn

Klosterberg März 2026

Der Weinbau in Maulbronn geht auf das 1147 gegründete Zisterzienserkloster Kloster Maulbronn zurück. Der Zisterzienserorden wurde 1098 im burgundischen Kloster Cîteaux nördlich von Beaune gegründet. Bereits am Weihnachtstag 1098 erhielt der Orden vom Herzog von Burgund bei Meursault einen Weinberg geschenkt. Der Weinbau gehörte somit von Beginn an zur wirtschaftlichen Grundlage des Ordens. Die Zisterzienser spezialisierten sich auf eine systematische Bodenbewirtschaftung. Sie experimentierten mit unterschiedlichen Bodentypen sowie mit Rebschnitt-, Veredelungs- und Kellertechniken und trugen wesentlich zur Professionalisierung des mittelalterlichen Weinbaus bei.[1]

Der Weinbau nach der Säkularisation

Nach der Auflösung der Abtei im Zuge der Reformation – 1534 wurde das Kloster durch Herzog Ulrich von Württemberg säkularisiert – wurden die Klostergüter weiterhin bewirtschaftet. Im Jahr 1575 entstand ein Urbar, also ein Verzeichnis der Besitz- und Abgaberechte der Grundherrschaft.[2] Darin werden auf der Klostergemarkung 111 Morgen Weinberge an den Hängen von Klosterberg, Billensbacher Berg, Eilfinger Berg und Scheuelberg ausgewiesen.[3] Um 1575 umfasste die Rebfläche in Württemberg rund 45.000 Hektar – etwa viermal so viel wie heute. Der württembergische Wein wurde in dieser Zeit in erheblichem Umfang exportiert.[4]

Rückgang im 17. Jahrhundert

Die Bevölkerungsverluste infolge des Dreißigjährigen Krieges sowie klimatische Verschlechterungen während der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ führten zu einem drastischen Rückgang der Rebflächen. 1649 lebten im gesamten Amt Maulbronn nur noch 373 Menschen (1631 waren es 7.220 gewesen). Für Maulbronn selbst wird berichtet, dass zeitweise lediglich die Witwe des Pistormeisters (Bäckermeisters) im Ort verblieb. Ab 1650 setzte eine Wiederbesiedlung ein; 1652 sollen bereits wieder 125 Personen in Maulbronn gelebt haben. Die Neubürger stammten aus benachbarten Ortschaften, aber auch aus Österreich und der Schweiz. Namentlich erwähnt werden unter anderem der Weingärtner Hans Amann sowie Hans Jakob Müller aus dem Zürcher Gebiet.[5] In dieser Zeit wurden häufig ertragreiche, jedoch qualitativ problematische Sorten angebaut, darunter die sogenannten „Putzscheren“, eine Tokajer-Variante, die hohe Erträge lieferte, im württembergischen Klima jedoch oft nicht vollständig ausreifte.

Reformbestrebungen im 18. und 19. Jahrhundert

Hinweistafel zu Balthasar Sprenger

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf der Maulbronner Klostergemarkung systematische Verbesserungen in Landwirtschaft und Weinbau angestrebt. Maßgeblich beteiligt waren der Seminarprofessor Balthasar Sprenger, ein ausgewiesener Önologe, sowie der Klosterverwalter Johann Conrad Nast. Ihr Ziel war die Bewirtschaftung der Weinberge nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nach ihrem Tod ließ der Reformelan jedoch nach. Anfang des 19. Jahrhunderts wäre eine Erneuerung der Weinberge am Klosterberg erforderlich gewesen; stattdessen entschied das Kameralamt 1822, Klosterberg, Billensbacher Berg und Eilfinger Berg zu verkaufen. Scheuelberg und Seidehof waren bereits 1819 privatisiert worden. Der Wieslocher Weinfachmann Johann Philipp Bronner beklagte 1837 den Niedergang des Klosterbergs: „Der größte Theil ist nun mit Klee und Kartoffeln angepflanzt.“[6] Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieben nur noch geringe Reste der einstigen Rebflächen erhalten.

Neuzeitliche Entwicklung einzelner Lagen

Der Eilfinger Berg wurde 1872 von der Hofkammer des Hauses Württemberg erworben und wird bis heute vom Weingut Herzog von Württemberg bewirtschaftet.[7] Der Scheuelberg ging nach dem Verkauf durch das königliche Kameralamt 1819 zunächst an drei Privatpersonen und 1951 in den Besitz der Familie Birkle über, die Hof und Weingut bis heute betreibt.[8] Der Billensbacher Berg ist heute weitgehend überbaut. Der Closterberg wird seit 1999 vom Weingut Jaggy bewirtschaftet.[9]

Die kleinen Wengerter

Familie Esenwein vom Elfinger Hof und Helfer - Vesper bei der Weinlese 1968

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Reblauskrise den Weinbau nahezu zum Erliegen. Erst durch die Einführung von Pfropfreben – heimische Rebsorten wurden auf resistente amerikanische Unterlagsreben veredelt – gelang um die Jahrhundertwende der Wiederaufbau der Weinberge. Diese Umstellung bildet die Grundlage des modernen europäischen Weinbaus.

In diese Zeit fällt auch die Gründung zahlreicher Weingärtnergenossenschaften. Ein struktureller Hintergrund war die in Württemberg lange praktizierte Realteilung im Erbrecht. Landbesitz wurde unter allen Erben aufgeteilt, wodurch immer kleinere und oft unwirtschaftliche Parzellen entstanden. Da der Weinbau kostenintensive Geräte und eine gewisse Mindestmenge an Lesegut erfordert, schlossen sich viele Wengerter zu Genossenschaften zusammen.[10] Allerdings zahlten Genossenschaften nicht immer zeitnah aus, sodass manche Wengerter ihre Weine zusätzlich direkt an örtliche Gasthöfe vermarkteten.[11]

Die Ausstellung

Blick in den Winzereibereich
Winzerin und Winzer


Die Ausstellung zeigt verschiedene Werkzeuge und Gerätschaften der Winzerei, wie sie vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre verwendet wurden. Die gezeigten Objekte stammen überwiegend von der Familie Haas vom Elfingerhof. [12]

Weidenschlitzer oder „Haben“

Dieses Werkzeug diente zur Bearbeitung von Weidenruten. Dünne Weidenruten wurden verwendet, um Rebstöcke zu binden.

Weidenschlitzer und Rebscheren
Eichmaß 150 Liter


Hohlmaße

Der frisch gekelterte Traubenmost oder auch der fertig ausgebaute Wein wurde häufig direkt aus dem Bottich oder Fass an Privatpersonen oder Gastwirtschaften verkauft. Das regional gebräuchliche Maß war 1 Eich = 150 Liter. Zwei Eich ergaben einen Eimer. Es wurden jedoch auch kleinere Maße wie das ausgestellte 15-Liter-Gefäß verwendet.

Traubenraspel

Die ausgestellte Traubenraspel stammt von der Firma Amos aus Heilbronn, einem Hersteller von Landmaschinen und Weinbaugeräten. Die 1860 gegründete Firma zählt noch heute zu den führenden Herstellern von Anlagen für die Weinherstellung. Das Entfernen der Maische aus der Raspel war oft schwierig und mühsam, da das Pressgut zunächst aufgelockert werden musste.

Traubenraspel auf Maischewanne - rechts Winzer
Butte auf Buttenhalter (mitte) - Winzerin mit Erntekorb (rechts)

Butte

Die Butte wurde bei der Weinlese von Hand zum Transport der Trauben aus dem Weinberg genutzt. Auf einen Buttenträger kamen etwa acht Traubenleser.

Frostschutz im Weinberg – Rebofen und Ölfüllkanne

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten Frostschutzöfen zur Ausrüstung vieler Weinberge. Spätfröste im Frühjahr konnten junge Rebaustriebe zerstören und damit eine gesamte Ernte gefährden. Um die empfindlichen Reben zu schützen, stellten Winzer bei Frostgefahr zahlreiche kleine Öfen zwischen den Rebzeilen auf. Diese sogenannten Reböfen oder Frostschutzöfen wurden meist mit Heizöl oder Schweröl befeuert. Sie erzeugten Wärme und Rauch, wodurch sich die Luft in Bodennähe leicht erwärmte und die nächtliche Ausstrahlungskälte vermindert wurde.

Der hier gezeigte Rebofen (Öl-Frostschutzofen) besteht aus einem Metallbehälter mit Brennraum, Luftlöchern und Abdeckung. Im Weinberg standen oft mehrere hundert solcher Öfen, die bei drohendem Frost in der Nacht entzündet werden mussten. Zum Befüllen der Öfen verwendeten die Winzer spezielle Ölfüllkannen mit langem Ausgussrohr. Mit ihnen ließ sich das Heizöl gezielt und ohne Verschütten in die kleine Einfüllöffnung der Öfen gießen. Der lange Auslauf erleichterte das Arbeiten zwischen den dicht stehenden Rebstöcken.

Rebofen
Ölfüllkanne

Die Beheizung von Weinbergen mit Ölöfen war arbeitsintensiv und verursachte starke Rauch- und Schadstoffbelastungen. In Baden-Württemberg wurde diese Praxis deshalb schrittweise aufgegeben und seit den 1980er-Jahren aus Gründen des Umwelt- und Immissionsschutzes nicht mehr zugelassen. Heute werden zur Frostabwehr andere Methoden eingesetzt, etwa Windmaschinen, Frostberegnung oder mobile Heizsysteme. [13]

Einzelnachweise

  1. ↑ Weinlexikon, Stichwort „Zisterzienser“, in: https://glossar.wein.plus/zisterzienser
  2. ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Urbar_(Verzeichnis)
  3. ↑ Martin Ehlers/Andreas Felchle: Maulbronn. Heimatbuch, Band 1, S. 82 f.
  4. ↑ https://blog.echt-wuerttemberger.de/wein/der-erste-wein-wuerttembergs/
  5. ↑ Martin Ehlers/Andreas Felchle: Maulbronn. Heimatbuch, Band 1, S. 102.
  6. ↑ Martin Ehlers/Andreas Felchle: Maulbronn. Heimatbuch, Band 1, S. 127 ff.
  7. ↑ https://weingut-wuerttemberg.de/index.php?&site=page1#weingut
  8. ↑ https://scheuelberghof.de/html/historie.html
  9. ↑ https://www.weingut-jaggy.de/weingut/maulbronner-closterweine/
  10. ↑ https://blog.echt-wuerttemberger.de/wein/der-erste-wein-wuerttembergs/
  11. ↑ Kurt Haas, Führung/Interview vom 3. Juli 2019.
  12. ↑ nach Kurt Haas - Juli 2019
  13. ↑ Literatur:
    • Bauer, Karl; Regner, Ferdinand; Friedrich, Barbara: Weinbau. 9. Aufl., Wien 2013, S. 218–221.
    • Müller, Edgar; Lipps, Hans-Peter; Walg, Oswald: Weinbau. Stuttgart: Ulmer, 2008, S. 167–170.