Küferei: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 89: | Zeile 89: | ||
== Filmhinweis == | == Filmhinweis == | ||
* '''Der letzte Küfer - Albert Fezer, Schorndorf 2018: | * '''Der letzte Küfer - Albert Fezer''' , Schorndorf 2018:[https://www.youtube.com/watch?v=V3xr9kfR2Nc YouTube-Link] | ||
= Einzelnachweise und Literatur = | = Einzelnachweise und Literatur = | ||
Version vom 28. Oktober 2025, 10:41 Uhr
Hauptseite > Erdgeschoss >Küferei
Einführung
Die Küferei befindet sich im hinteren Bereich des Erdgeschosses. Gezeigt werden Werkzeuge, Fässer und weitere Gegenstände des traditionellen Küferhandwerks. Das Küfer- oder Fassbinderhandwerk – die Herstellung von Holzfässern und anderen Gefäßen aus Holz – blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Antike reicht.
Antike und Zeitenwende
Bereits um 2600 v. Chr. zeigt eine altägyptische Wandmalerei einen Holztrog aus Dauben, die mit Holzreifen zusammengehalten werden. [1] In Altbabylonien waren Palmholzfässer in Gebrauch. In Europa fand man Fässer und Eimer aus der Zeit um 200 v. Chr. in keltischen Siedlungen. [2]
Mittelalter (12.–15. Jahrhundert)
Im Deutschen Reich sind Fassbinder bereits im 12. Jahrhundert als eigenständiges Zunfthandwerk nachweisbar. Für den württembergisch-schwäbischen Raum ist das Handwerk spätestens um 1500 belegt. In Städten des heutigen Baden-Württemberg waren Groß- und Kleinbinder teils getrennt organisiert: Großbinder fertigten Fässer, meist für Wein, während Kleinbinder oder Kübler Haushaltsgeräte wie Kübel herstellten. Diese Unterscheidung ist für den Südwesten bereits im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit dokumentiert.
Frühe Neuzeit (16.–18. Jahrhundert)
Laut der württembergischen Küferordnung dauerte die Ausbildung vier Jahre – bei Zahlung eines Lehrgeldes zwei Jahre. Als Meisterstücke mussten unter anderem ein acht- bis zweifudriges Fass und eine sechseimrige Weinbutte gefertigt werden. Kübler, die kleinere Holzgefäße herstellten, benötigten eine längere Ausbildungszeit. Das Handwerk war eng mit dem Weinbau verbunden: Großbinder beziehungsweise Küfer fertigten nicht nur Fässer, sondern waren vielerorts auch in Weinpflege und Weinhandel tätig. [3]
19. bis frühes 20. Jahrhundert
Bis ins späte 19. Jahrhundert zählte das Küferhandwerk zu den wichtigsten holzverarbeitenden Gewerben. Küfer fertigten und reparierten Holzgefäße aller Art – von kleinen Eimern und Butterfässern über Transportfässer für Wein, Bier, Essig und Öl bis hin zu großen Bottichen für Gärung und Lagerung. Die meisten Küfer arbeiteten in kleinen Werkstätten oder als Wanderhandwerker im Auftrag von Brauereien, Weingütern oder Händlern. Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen von Metall- und später Kunststoffgefäßen ging die Zahl der selbständigen Küferbetriebe im 20. Jahrhundert stark zurück.
20. / 21. Jahrhundert
Heute wird das traditionelle Küferhandwerk nur noch von wenigen Betrieben ausgeübt, hat sich jedoch in der Herstellung hochwertiger Wein- und Spirituosenfässer erhalten. In modernen Werkstätten unterstützen Maschinen die Arbeit, doch zentrale Schritte – etwa das Biegen, Toasten und Abdichten der Dauben – erfolgen weiterhin von Hand. Eichenholz bleibt wegen seiner chemischen und aromatischen Eigenschaften unersetzlich. Durch das Toasting (Rösten der Fassinnenseite) können Küfer gezielt den Geschmack des späteren Inhalts beeinflussen. Der Beruf des Küfers bzw. Fassküfers ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin ein anerkannter Ausbildungsberuf im dualen System. Einige Meisterbetriebe pflegen bewusst die handwerklichen Traditionen des 19. Jahrhunderts und fertigen Einzelstücke für Weingüter, Brennereien oder Museen.
Die Ausstellung
Die Exponate der Küferei stammen überwiegend aus dem 2020 aufgelösten Weinmuseum in Horrheim. Das Weinmuseum in der Alten Kelter wurde 1976 eröffnet und 2020 im Zuge der Sanierung des Gebäudes geschlossen. Heute dient die Alte Kelter wieder als Veranstaltungsort, um an historischer Stelle Wein zu genießen und Feste zu feiern. Der alte Kelterbaum, ein Brennkessel aus Vaihingen sowie eine kleine Weinpresse sind dort weiterhin zu sehen. [4] Ein Großteil der Ausstellung wurde an eine Shopping Mall in Shanghai verkauft [5]; die Küferwerkstatt wurde dem Museum auf dem Schafhof überlassen.
Maulbronner Küfer
Bis in die 1950er-Jahre betrieb die Familie Münsinger in der Füllensgasse 6 eine Küferei. Neben der Fassherstellung und -reparatur umfasste der Betrieb auch einen Getränkehandel, eine Schnapsbrennerei und den Weinflaschenverkauf. Der Getränkehandel besteht heute noch in der Frankfurterstraße 47–49. Die Brennerei wurde in den 1980er-Jahren aufgegeben (Angabe bitte überprüfen).
Werkzeuge des Küfers
Die Seilwinde
Die Seilwinde diente dazu, die Holzdauben (die gebogenen Bretter eines Fasses) eng zusammenzuziehen, damit das Fass seine Form erhielt und die Reifen aufgesetzt werden konnten:
- Die Dauben wurden auf einer Arbeitsplattform aufgestellt.
- Mit der Seilwinde zog der Küfer sie fest zusammen.
- Anschließend konnten die Fassreifen über die Dauben getrieben werden, bis das Fass dicht war.
Der Spundlochbohrer
Mit diesem Werkzeug bohrte der Küfer das Spundloch in das fertige Fass:
- Durch das Spundloch wird das Fass befüllt, entleert oder belüftet.
- Es befindet sich an der obersten Stelle der Fasswand (bei liegendem Fass).
- Nach dem Befüllen wird es mit einem Spund aus Holz oder Gummi verschlossen.
Auszieheisen – Schaber – Schäleisen
Diese Werkzeuge dienten der Formgebung und Glättung der Fassoberflächen:
- Auszieheisen: Zum Nacharbeiten der Innenflächen der Dauben, damit sie beim Zusammenfügen dicht schließen.
- Schaber: Zum Glätten und Reinigen der Fassoberflächen nach dem Zusammenbau.
- Schäleisen: Zum Formen der Dauben, insbesondere der Fasswölbung und Stoßkanten.
Die Fassherstellung – Arbeitsschritte
- Auswahl und Vorbereitung des Holzes:
Meist wurde Eichenholz verwendet, seltener Kastanie, Lärche oder Tanne. Das Holz musste mehrere Jahre lufttrocknen. Werkzeuge: Säge, Beil, Spaltaxt.
- Zuschneiden und Formen der Dauben:
Die Bohlen wurden zu Dauben gespaltet, gebogen und an den Kanten konisch zugeschnitten. Werkzeuge: Dechsel, Ziehmesser, Hohlhobel, Schabhobel, Streichmaß.
- Aufstellen („Aufsetzen“) des Fasses:
Die Dauben wurden kreisförmig aufgestellt und durch provisorische Reifen lose zusammengehalten. Werkzeuge: Fassspanner, Hammer, Holz- und Eisenreifen, Zwinge.
- Erhitzen und Biegen der Dauben:
Über Feuer oder Dampf wurden die Dauben biegsam gemacht und schrittweise enger gespannt. Werkzeuge: Feuer- oder Dampfkessel, Spannreifen, Hammer, Wassereimer.
- Anfertigen der Böden und Einarbeiten der Nuten:
An beiden Fassenden wurde eine umlaufende Nut eingearbeitet, in die später die Böden eingesetzt wurden. Werkzeuge: Nuthobel, Bodenhobel, Zirkel, Säge, Hobelbank.
- Einsetzen der Böden und Endmontage:
Die Böden wurden in die Nuten gesetzt, endgültige Reifen aufgeschlagen. Werkzeuge: Hammer, Treibholz, Eisenringe, Fassbock.
- Abdichten und Dichtigkeitsprüfung:
Fugen wurden mit Binsen, Schilf oder einem Kitt aus Pech, Sägemehl und Leinöl abgedichtet, anschließend mit Wasser geprüft. Werkzeuge: Kittmesser, Pechkessel, Wasserfass.
- Endbearbeitung und Kennzeichnung:
Spundloch, Griffe und Beschläge wurden angebracht, das Fass mit Leinöl behandelt und oft mit dem Handwerkszeichen des Küfers gebrannt. Werkzeuge: Bohrer, Brennstempel, Messer, Ölpinsel.
Filmhinweis
- Der letzte Küfer - Albert Fezer , Schorndorf 2018:YouTube-Link
Einzelnachweise und Literatur
- Deutsches Museum: Handwerksgeschichte – Der Küfer und das Fasshandwerk
- Handwerkskammer Stuttgart: Berufsporträt Fassküfer / Böttcher
- Freilichtmuseum Stübing: Traditionelle Fassbinderei
- Deutsches Weininstitut: Eichenfässer und ihre Bedeutung für den Weinausbau