Küferei: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Küferei ===
= Einführung =
(Abschnitt noch zu ergänzen)
[[Datei:GHV_Kuefer_5H4A6793_th.jpg|thumb|350px|Blick auf Küfereiwerkbank, Faßdeckel und Werkzeuge]]
Die Küferei befindet sich im hinteren Bereich des Erdgeschosses. Gezeigt werden Werkzeuge, Fässer und weitere Gegenstände des traditionellen Küferhandwerks. 
Das Küfer- oder Fassbinderhandwerk – die Herstellung von Holzfässern und anderen Gefäßen aus Holz – blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Antike reicht.


== Antike und Zeitenwende ==
Bereits um 2600 v. Chr. zeigt eine altägyptische Wandmalerei einen Holztrog aus Dauben, die mit Holzreifen zusammengehalten werden.
In Altbabylonien waren Palmholzfässer in Gebrauch. In Europa fand man Fässer und Eimer aus der Zeit um 200 v. Chr. in keltischen Siedlungen. <ref> https://en.wikipedia.org/wiki/Cooper_(profession) Wikipedia: Cooper (profession)</ref>


[[Erdgeschoss|-Zurück-]]
== Mittelalter (12.–15. Jahrhundert) ==
Im Deutschen Reich sind Fassbinder bereits im 12. Jahrhundert als eigenständiges Zunfthandwerk nachweisbar. 
Für den württembergisch-schwäbischen Raum ist das Handwerk spätestens um 1500 belegt. 
In Städten des heutigen Baden-Württemberg waren Groß- und Kleinbinder teils getrennt organisiert: Großbinder fertigten Fässer, meist für Wein, während Kleinbinder oder Kübler Haushaltsgeräte wie Kübel herstellten. Diese Unterscheidung ist für den Südwesten bereits im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit dokumentiert.
 
== Frühe Neuzeit (16.–18. Jahrhundert) ==
Laut der württembergischen Küferordnung dauerte die Ausbildung vier Jahre – bei Zahlung eines Lehrgeldes zwei Jahre. 
Als Meisterstücke mussten unter anderem ein acht- bis zweifudriges Fass und eine sechseimrige Weinbutte gefertigt werden. 
Kübler, die kleinere Holzgefäße herstellten, benötigten eine längere Ausbildungszeit. 
Das Handwerk war eng mit dem Weinbau verbunden: Großbinder beziehungsweise Küfer fertigten nicht nur Fässer, sondern waren vielerorts auch in Weinpflege und Weinhandel tätig.<ref> https://www.rdklabor.de/wiki/Faß,_Fäßchen RDK Labor: „Faß, Fäßchen“ </ref>
 
== 19. bis frühes 20. Jahrhundert ==
Bis ins späte 19. Jahrhundert zählte das Küferhandwerk zu den wichtigsten holzverarbeitenden Gewerben. Küfer fertigten und reparierten Holzgefäße aller Art – von kleinen Eimern und Butterfässern über Transportfässer für Wein, Bier, Essig und Öl bis hin zu großen Bottichen für Gärung und Lagerung. 
Die meisten Küfer arbeiteten in kleinen Werkstätten oder als Wanderhandwerker im Auftrag von Brauereien, Weingütern oder Händlern. 
Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen von Metall- und später Kunststoffgefäßen ging die Zahl der selbständigen Küferbetriebe im 20. Jahrhundert stark zurück.
 
== 20. / 21. Jahrhundert ==
Heute wird das traditionelle Küferhandwerk nur noch von wenigen Betrieben ausgeübt, hat sich jedoch in der Herstellung hochwertiger Wein- und Spirituosenfässer erhalten. 
In modernen Werkstätten unterstützen Maschinen die Arbeit, doch zentrale Schritte – etwa das Biegen, Toasten und Abdichten der Dauben – erfolgen weiterhin von Hand. 
Eichenholz bleibt wegen seiner chemischen und aromatischen Eigenschaften unersetzlich. Durch das Toasting (Rösten der Fassinnenseite) können Küfer gezielt den Geschmack des späteren Inhalts beeinflussen. 
Der Beruf des Küfers bzw. Fassküfers ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin ein anerkannter Ausbildungsberuf im dualen System. 
Einige Meisterbetriebe pflegen bewusst die handwerklichen Traditionen des 19. Jahrhunderts und fertigen Einzelstücke für Weingüter, Brennereien oder Museen.
 
=Maulbronner Küfer: Die Küferei von Gustav Münsinger=
 
[[Datei:Münsinger Haus-2 1950.JPG|400px]]
 
<!-- Interne Info.
Bis in die 1950er-Jahre betrieb die Familie Münsinger in der Füllensgasse 6 eine Küferei. 
Neben der Fassherstellung und -reparatur umfasste der Betrieb auch einen Getränkehandel, eine Schnapsbrennerei und den Weinflaschenverkauf. 
Der Getränkehandel besteht heute noch in der Frankfurterstraße 47–49. Die Brennerei wurde in den 1980er-Jahren aufgegeben (Angabe bitte überprüfen).-->
 
Gustav Münsinger wurde 1902 in Schmie geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann er in Vaihingen an der Enz eine Lehre bei einem Küfer – in seinem Gesellenbrief ist die Berufsbezeichnung noch als „Kübler“ angegeben.
 
Während seiner Gesellenjahre arbeitete er in verschiedenen Betrieben im Raum Heilbronn, bevor er in einem Schuppen am Elternhaus in Schmie seine erste eigene Werkstatt einrichtete.
Bereits 1930 kaufte Münsinger von Karl Link, einem Säger, dessen kleine Küferei mit Brennerei in der Füllensgasse 6 in Maulbronn. <ref> Noch 1955 wird für Füllensgasse 6 Karl Link, Säger angegeben.</ref>
 
1937 legte er die Meisterprüfung als Böttcher ab. Die Berufsbezeichnung änderte sich später in „Küfer“, doch das Handwerk blieb dasselbe: Gustav Münsinger stellte Fässer her, reparierte sie und war im Ausbau von Most und Wein tätig.
 
Die Eichenstämme für die Fässer lieferten die Langholzbauern aus Schmie (u. a. Oskar Velte) und Maulbronn (Familien Rapp und Ludwig) - im Winter bis zu 15 Eichenstämme.
 
[[Datei:GHV Kuefer Muensinger 1942.JPG|rechts|230px|Auf dem Weg zum Fassputzen Gustav und Manfred Münsinger - 1942]]
 
Ein wichtiges Tätigkeitsfeld war die Pflege und Reinigung von Wein- und Mostfässern in den örtlichen Wirtschaften sowie bei Wein- und Obstbauern. Auch der Ausbau und die Schönung von Wein und Most gehörten zu Münsingers Aufgaben, da viele Wirtshausbesitzer und Erzeuger in dieser Kunst wenig Erfahrung hatten.
 
 
Zu den wichtigen Kunden dieser Zeit zählten die Wirtschaften „Sonne“ und „die Beiz“, die Most und einfachen Pfälzer Wein ausschenkten.
 
Ein weiteres Standbein war das Abfüllen von Wein, Most und Apfelsaft in Flaschen. Der im Herbst in der Gemeindekelter gepresste Saft wurde geklärt, erhitzt und in 50-Liter-Glasballons zwischengelagert. In der ruhigeren Jahreszeit wurde der Saft erneut erhitzt, auf Flaschen gefüllt und mit Kronkorken verschlossen. Auch der ausgebaute Wein wurde auf Flaschen gezogen, verkorkt und etikettiert.
 
Neben der Küferei betrieb die Familie eine kleine Landwirtschaft. Kartoffeln und Getreide wurden angebaut.
1950 war ein sehr guter Herbst, da konnte sich auch der Küfer den Photographen Henseling leisten und Werbung für Fässer, Traubenbutten, Zuber und Kübel machen.
 
<div style="float:left; margin-right:10px;">
  [[Datei:GHV_Kuefer_Muensinger_Familie_1950.JPG|thumb|400px|Die Familie Münsinger 1950]]
</div>
 
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  [[Datei:GHV Kuefer Muensinger-Maenner 1950.JPG|thumb|400px|Die Männer bei der Arbeit: Rudolf, Manfred und Gustav]]
 
</div>
<div style="clear:both;"></div>
 
[[Datei:GHV Kuefer Fuellensgasse-6 1964.JPG|thumb|150px|Füllensgasse 6 - Ende 1950ger]]
 
Als die Nachfrage nach Holzfässern zurückging, kam ein zweites Standbein hinzu: der Getränkehandel sowie ein Laden für Spirituosen.
 
Gustav Münsinger starb 1966.
 
Sein Sohn Manfred Münsinger führte das Geschäft weiter. Als der Betrieb durch den wachsenden Getränkehandel zu eng wurde, errichtete er 1968 in der Frankfurter Straße ein neues Gebäude und verlagerte dorthin Getränkehandel, Küferwerkstatt, Brennerei und Mosterei. Der Getränkehandel besteht noch heute in der Frankfurterstraße 47–49 <ref> Der Text stützt sich weitestgehend auf Aufzeichnungen und Gespräch von und mit Rudolf Münsinger am 7.11.2025 </ref>
 
= Die Ausstellung =
Die Exponate der Küferei stammen überwiegend aus dem 2020 aufgelösten Weinmuseum in Horrheim. 
Das Weinmuseum in der Alten Kelter wurde 1976 eröffnet und 2020 im Zuge der Sanierung des Gebäudes geschlossen. Heute dient die Alte Kelter wieder als Veranstaltungsort, um an historischer Stelle Wein zu genießen und Feste zu feiern. 
Der alte Kelterbaum, ein Brennkessel aus Vaihingen sowie eine kleine Weinpresse sind dort weiterhin zu sehen. <ref> https://www.vaihingen.de/leben-wohnen/staedtische-veranstaltungsraeume/alte-kelter-horrheim </ref>
Ein Großteil der Ausstellung wurde an eine Shopping Mall in Shanghai verkauft <ref> https://www.bietigheimerzeitung.de/inhalt.exponate-aus-ehemaligem-weinmuseum-in-asien-alte-wengert-geraetschaften-in-chinesischem-shopping-dorf.2e26e5be-de29-4d0e-ac07-ecaf58bdaaa5.html </ref> die Küferwerkstatt wurde dem Museum auf dem Schafhof überlassen.
 
= Werkzeuge des Küfers =
== Die Seilwinde ==
[[Datei:GHV_Kuefer_Seilwinde.JPG|rechts|230px|Seilwinde]]
Die Seilwinde diente dazu, die Holzdauben (die gebogenen Bretter eines Fasses) eng zusammenzuziehen, damit das Fass seine Form erhielt und die Reifen aufgesetzt werden konnten: 
* Die Dauben wurden auf einer Arbeitsplattform aufgestellt. 
* Mit der Seilwinde zog der Küfer sie fest zusammen. 
* Anschließend konnten die Fassreifen über die Dauben getrieben werden, bis das Fass dicht war.
 
== Der Spundlochbohrer ==
[[Datei:GHV_Kuefer_Spundlochbohrer.JPG|rechts|120px|Spundlochbohrer]]
Mit diesem Werkzeug bohrte der Küfer das Spundloch in das fertige Fass: 
* Durch das Spundloch wird das Fass befüllt, entleert oder belüftet. 
* Es befindet sich an der obersten Stelle der Fasswand (bei liegendem Fass). 
* Nach dem Befüllen wird es mit einem Spund aus Holz oder Gummi verschlossen.
 
== Auszieheisen – Schaber – Schäleisen ==
[[Datei:GHV_Kuefer_Auszieheisen.JPG|rechts|120px|Auszieheisen]]
Diese Werkzeuge dienten der Formgebung und Glättung der Fassoberflächen: 
* '''Auszieheisen:''' Zum Nacharbeiten der Innenflächen der Dauben, damit sie beim Zusammenfügen dicht schließen. 
* '''Schaber:''' Zum Glätten und Reinigen der Fassoberflächen nach dem Zusammenbau. 
* '''Schäleisen:''' Zum Formen der Dauben, insbesondere der Fasswölbung und Stoßkanten.
 
 
 
 
<div style="float:left; margin-right:10px;">
  [[Datei:GHV_Kuefer_Daubenlehre.JPG|thumb|420px|Daubenlehre]]
</div>
 
<div style="float:left;">
  [[Datei:GHV Kuefer Fuegebock.JPG|thumb|320px|Fügebock]]
 
 
</div>
<div style="clear:both;"></div>
 
= Die Fassherstellung – Arbeitsschritte =
 
<!--
1. '''Auswahl und Vorbereitung des Holzes:''' 
  Meist wurde Eichenholz verwendet, seltener Kastanie, Lärche oder Tanne. Das Holz musste mehrere Jahre lufttrocknen. 
  ''Werkzeuge:'' Säge, Beil, Spaltaxt. 
2. '''Zuschneiden und Formen der Dauben:''' 
  Die Bohlen wurden zu Dauben gespaltet, gebogen und an den Kanten konisch zugeschnitten. 
  ''Werkzeuge:'' Dechsel, Ziehmesser, Hohlhobel, Schabhobel, Streichmaß.
-->
 
<gallery mode="slideshow" widths="150" heights="150" caption="Fass-Herstellung - Dia Show">
Datei:GHV_Kuefer_Dia-01-Aufriss.JPG|'''Aufriss''' Aufzeichnen der Form 1:1 und anfertigen der Modelle.
 
Datei:GHV_Kuefer_Dia-02-Anreissen.JPG|'''Anreißen''' Anreißen der Dauben (Stäbe) mit dem Richtscheid
 
Datei:GHV_Kuefer_Dia-03-Hoehlen.JPG|'''Höhlen''' Am Schneidebalken werden die Dauben mit dem Krummeisen gehöhlt. Dadurch bekommen sie die richtige Stärke und innere Rundung ( konkav ).
 
Datei:GHV_Kuefer_Dia-04-Ablaengen.JPG|'''Ablängen''' Ablängen der Stäbe ( Dauben) mit der Gestellsäge (Spannsäge).
 
Datei:GHV_Kuefer_Dia-05-Streifen.JPG|'''Streifen''' Die Stäbe werden von außen gestreift sodass sie die Rundung (konvex ) des Modells haben.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-06-Vorschneiden.JPG|'''Vorschneiden''' Vorschneiden der Fugen an der Schneidebank.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-07-Fuegen-Stossen.JPG|'''Fügen / Stoßen''' Mit dem Fügbock/Stoßbank  werden die Dauben ins Modell gefügt (Feinfügen).Fügearten: Kopffügen oder federisch fügen - Der Stab wird von Kopf zu Kopf durchgefügt. Bauchfügen oder fugisch fügen - Der Stab wird vom Bauch zum Kopf gefügt
 
Datei:GHV Kuefer Dia-08-Pruefen.JPG|'''Prüfen''' Überprüfung der Fuge mit dem Modell.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-09-Aufstellen.JPG|'''Aufstellen''' Die gefügten Dauben werden im Setzreifen aufgestellt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-10-Ausrichten.JPG|'''Ausrichten''' Am Bauchriss werden die Stäbe in der Höhe ausgerichtet.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-11-Arbeitsreifen.JPG|'''Arbeitsreifen'''  Arbeitsreifen und Fangband werden aufgezogen. - Der Fasskittel ist fertig.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-13-Feuerkorb.JPG|'''Feuerkorb''' Der Ausfeuerkorb ist angezündet.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-12-Feuern.JPG|'''Feuern''' Der Fassrumpf wird über den Feuerkorb gestellt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-14-Feuer-und-Wasser.JPG|'''Feuer und Wasser ''' Das Fass wird von außen mit Wasser benetzt.Feuer und Wasser machen das Holz biegsam.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-15-Fangband.JPG|'''Fangband''' Das Fangband wird nachgetrieben.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-16-Helle-Flamme.JPG|'''Helle Flamme''' Der Feuerkorb steht mitten im Fass.Die Flamme muss hell sein und darf nicht rußen, denn dies gibt dem Inhalt einen schlechten Geschmack.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-17-Fasszug.JPG|'''Fasszug''' Der Fasszug ist angelegt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-18-Standfeuer.JPG|'''Standfeuer ( feuerstarr )''' Das Fass ist beisammen und wird nun nachgefeuert (Standfeuer). Hierduruch geht die Spannung in den Dauben (Stäben) verloren und es gibt keine Brecher beim späteren befüllen.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-19a-Enden-Stemmen.JPG|'''Enden / Stemmen''' Die Kopfenden werden mit dem Kopfhobel verputzt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-19b-Ausgerben.JPG|'''Ausgerben''' Ausgerben der Frösche ( Köpfe )mit dem Gerbhobel.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-20-Gargeln.JPG|'''Gargeln''' Reißen der Gargel, Kimme oder Kröse mit dem Gargelkamm - Faustgröße.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-21-Kroesen.JPG|'''Krösen''' Reißen der Gargel, Kimme oder Kröse mit dem Schweif-Gargelkamm oder Schwanzkröse.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-21b-Fuegen-Stossen.JPG|'''Fügen / Stoßen''' Fügen der Bodenstücke auf dem Fügblock.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-22-Duebeln.JPG|'''Dübeln''' Bodenstücke mit Holzdübeln verdübeln.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-23-Anreissen.JPG|'''Anreißen''' Böden und Türchen anreißen und die Böden mit der Schweifsäge ausschneiden
 
Datei:GHV Kuefer Dia-24-Vorhacken.JPG|'''Vorhacken''' Die Innenseiten der Böden werden mit dem Küferbeil (Segerz, Lenkbeil oder Binderbarte) vorgehackt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-25-Einschneiden.JPG|'''Einschneiden''' Einschneiden der Böden mit dem Bramschnitthobel an den Außenseiten (Sichtseiten).
 
Datei:GHV Kuefer Dia-26-Einschneiden2.JPG|'''Einschneiden''' Mit der Schneidebank und dem Krummesser werden die Innenseiten der Böden auf Gargelbreite und Tiefe ausgearbeitet.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-27-Tuerchen-ausschneiden.JPG|''' Türchen ausschneiden''' Mit der Schweifsäge wird das Türchen ausgeschnitten.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-28-Schilf.JPG|'''Schilf''' Schilf schneiden.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-29-Verschilfen.JPG|'''Verschilfen''' Bodenstücke verschilfen.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-30-Boden-Einbinden.JPG|'''Boden einbinden ( Einböden )''' Hinteren Boden zuerst einbinden.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-31-Vorderboden-Einbinden.JPG|'''Vorderboden einbinden ( Einböden )''' Den Vorderboden als zweites einbinden da man in die Öffnung des Türchens greifen kann. Das erleichtert den Einbau.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-32-Kimme-verschilfen.JPG|'''Kimme verschilfen''' Mit dem Schilfhaken ( Knospenhaken oder Lieschhaken ) werden die Dauben abgedrückt und mit dem Dichtkeil (Kalfateisen) das Schilf in die Kimme geschoben.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-33-Dauben-verschilfen.JPG|''' Dauben verschilfen''' Mit dem Dichtkeil werden die Dauben auseinander getrieben so dass man das Schilf besser einlegen kann.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-34-Arbeitsreifen-auftreiben.JPG|'''Arbeitsreifen auftreiben''' ..mit dem Küfersetzer und dem Treibhammer.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-35-Anrichten.JPG|'''Anrichten''' Die Dauben mit dem Hammer anrichten.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-36-Verputzen.JPG|'''Verputzen''' Außer den beiden Kopfreifen werden alle Reifen entfernt. Mit dem Schinder oder Schweifhobel wird der Fassrumpf abgehobelt.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-37-Nieten.JPG|'''Nieten''' Nieten der neuen Reifen am Sperrhaken.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-38-Bind-anschlagen.JPG|'''Bind anschlagen ( Geifen )''' Den Reifen den passenden Bind anklopfen sodass sie die gleiche schräge wie das Fass haben.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-39-Abbinden.JPG|'''Abbinden''' Das Fass wird abgebunden. (Aufziehen der fertigen Reifen)
 
Datei:GHV Kuefer Dia-40-Kopfband-Aufziehen.JPG|'''Kopfband aufziehen''' Der Reifenzieher (Bandhaken-Reifenzange) erleichtert das aufziehen des Kopfreifens.
 
Datei:GHV Kuefer Dia-41-Fertiges-Fass-1.JPG|'''Das fertige Fass'''
 
Datei:GHV Kuefer Dia-42-Fertiges-Fass-2.JPG|'''Das fertige Fass aus Meisterhand'''
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
</gallery>
 
<!--
3. '''Aufstellen („Aufsetzen“) des Fasses:''' 
  Die Dauben wurden kreisförmig aufgestellt und durch provisorische Reifen lose zusammengehalten. 
  ''Werkzeuge:'' Fassspanner, Hammer, Holz- und Eisenreifen, Zwinge. 
4. '''Erhitzen und Biegen der Dauben:''' 
  Über Feuer oder Dampf wurden die Dauben biegsam gemacht und schrittweise enger gespannt. 
  ''Werkzeuge:'' Feuer- oder Dampfkessel, Spannreifen, Hammer, Wassereimer. 
5. '''Anfertigen der Böden und Einarbeiten der Nuten:''' 
  An beiden Fassenden wurde eine umlaufende Nut eingearbeitet, in die später die Böden eingesetzt wurden. 
  ''Werkzeuge:'' Nuthobel, Bodenhobel, Zirkel, Säge, Hobelbank. 
6. '''Einsetzen der Böden und Endmontage:''' 
  Die Böden wurden in die Nuten gesetzt, endgültige Reifen aufgeschlagen. 
  ''Werkzeuge:'' Hammer, Treibholz, Eisenringe, Fassbock. 
7. '''Abdichten und Dichtigkeitsprüfung:''' 
  Fugen wurden mit Binsen, Schilf oder einem Kitt aus Pech, Sägemehl und Leinöl abgedichtet, anschließend mit Wasser geprüft. 
  ''Werkzeuge:'' Kittmesser, Pechkessel, Wasserfass. 
8. '''Endbearbeitung und Kennzeichnung:''' 
  Spundloch, Griffe und Beschläge wurden angebracht, das Fass mit Leinöl behandelt und oft mit dem Handwerkszeichen des Küfers gebrannt. 
  ''Werkzeuge:'' Bohrer, Brennstempel, Messer, Ölpinsel.
-->
 
= Film zur Fassherstellung =
* '''Der letzte Küfer - Albert Fezer''' , Schorndorf 2018: [https://www.youtube.com/watch?v=V3xr9kfR2Nc YouTube-Link]
 
= Einzelnachweise und Literatur =
* Deutsches Museum: ''Handwerksgeschichte – Der Küfer und das Fasshandwerk'' 
* Handwerkskammer Stuttgart: ''Berufsporträt Fassküfer / Böttcher'' 
* Freilichtmuseum Stübing: ''Traditionelle Fassbinderei'' 
* Deutsches Weininstitut: ''Eichenfässer und ihre Bedeutung für den Weinausbau''
 
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Aktuelle Version vom 23. Februar 2026, 21:39 Uhr

Hauptseite > Erdgeschoss >Küferei

Einführung

Blick auf Küfereiwerkbank, Faßdeckel und Werkzeuge

Die Küferei befindet sich im hinteren Bereich des Erdgeschosses. Gezeigt werden Werkzeuge, Fässer und weitere Gegenstände des traditionellen Küferhandwerks. Das Küfer- oder Fassbinderhandwerk – die Herstellung von Holzfässern und anderen Gefäßen aus Holz – blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Antike reicht.

Antike und Zeitenwende

Bereits um 2600 v. Chr. zeigt eine altägyptische Wandmalerei einen Holztrog aus Dauben, die mit Holzreifen zusammengehalten werden. In Altbabylonien waren Palmholzfässer in Gebrauch. In Europa fand man Fässer und Eimer aus der Zeit um 200 v. Chr. in keltischen Siedlungen. [1]

Mittelalter (12.–15. Jahrhundert)

Im Deutschen Reich sind Fassbinder bereits im 12. Jahrhundert als eigenständiges Zunfthandwerk nachweisbar. Für den württembergisch-schwäbischen Raum ist das Handwerk spätestens um 1500 belegt. In Städten des heutigen Baden-Württemberg waren Groß- und Kleinbinder teils getrennt organisiert: Großbinder fertigten Fässer, meist für Wein, während Kleinbinder oder Kübler Haushaltsgeräte wie Kübel herstellten. Diese Unterscheidung ist für den Südwesten bereits im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit dokumentiert.

Frühe Neuzeit (16.–18. Jahrhundert)

Laut der württembergischen Küferordnung dauerte die Ausbildung vier Jahre – bei Zahlung eines Lehrgeldes zwei Jahre. Als Meisterstücke mussten unter anderem ein acht- bis zweifudriges Fass und eine sechseimrige Weinbutte gefertigt werden. Kübler, die kleinere Holzgefäße herstellten, benötigten eine längere Ausbildungszeit. Das Handwerk war eng mit dem Weinbau verbunden: Großbinder beziehungsweise Küfer fertigten nicht nur Fässer, sondern waren vielerorts auch in Weinpflege und Weinhandel tätig.[2]

19. bis frühes 20. Jahrhundert

Bis ins späte 19. Jahrhundert zählte das Küferhandwerk zu den wichtigsten holzverarbeitenden Gewerben. Küfer fertigten und reparierten Holzgefäße aller Art – von kleinen Eimern und Butterfässern über Transportfässer für Wein, Bier, Essig und Öl bis hin zu großen Bottichen für Gärung und Lagerung. Die meisten Küfer arbeiteten in kleinen Werkstätten oder als Wanderhandwerker im Auftrag von Brauereien, Weingütern oder Händlern. Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen von Metall- und später Kunststoffgefäßen ging die Zahl der selbständigen Küferbetriebe im 20. Jahrhundert stark zurück.

20. / 21. Jahrhundert

Heute wird das traditionelle Küferhandwerk nur noch von wenigen Betrieben ausgeübt, hat sich jedoch in der Herstellung hochwertiger Wein- und Spirituosenfässer erhalten. In modernen Werkstätten unterstützen Maschinen die Arbeit, doch zentrale Schritte – etwa das Biegen, Toasten und Abdichten der Dauben – erfolgen weiterhin von Hand. Eichenholz bleibt wegen seiner chemischen und aromatischen Eigenschaften unersetzlich. Durch das Toasting (Rösten der Fassinnenseite) können Küfer gezielt den Geschmack des späteren Inhalts beeinflussen. Der Beruf des Küfers bzw. Fassküfers ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin ein anerkannter Ausbildungsberuf im dualen System. Einige Meisterbetriebe pflegen bewusst die handwerklichen Traditionen des 19. Jahrhunderts und fertigen Einzelstücke für Weingüter, Brennereien oder Museen.

Maulbronner Küfer: Die Küferei von Gustav Münsinger


Gustav Münsinger wurde 1902 in Schmie geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann er in Vaihingen an der Enz eine Lehre bei einem Küfer – in seinem Gesellenbrief ist die Berufsbezeichnung noch als „Kübler“ angegeben.

Während seiner Gesellenjahre arbeitete er in verschiedenen Betrieben im Raum Heilbronn, bevor er in einem Schuppen am Elternhaus in Schmie seine erste eigene Werkstatt einrichtete. Bereits 1930 kaufte Münsinger von Karl Link, einem Säger, dessen kleine Küferei mit Brennerei in der Füllensgasse 6 in Maulbronn. [3]

1937 legte er die Meisterprüfung als Böttcher ab. Die Berufsbezeichnung änderte sich später in „Küfer“, doch das Handwerk blieb dasselbe: Gustav Münsinger stellte Fässer her, reparierte sie und war im Ausbau von Most und Wein tätig.

Die Eichenstämme für die Fässer lieferten die Langholzbauern aus Schmie (u. a. Oskar Velte) und Maulbronn (Familien Rapp und Ludwig) - im Winter bis zu 15 Eichenstämme.

Auf dem Weg zum Fassputzen Gustav und Manfred Münsinger - 1942
Auf dem Weg zum Fassputzen Gustav und Manfred Münsinger - 1942

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld war die Pflege und Reinigung von Wein- und Mostfässern in den örtlichen Wirtschaften sowie bei Wein- und Obstbauern. Auch der Ausbau und die Schönung von Wein und Most gehörten zu Münsingers Aufgaben, da viele Wirtshausbesitzer und Erzeuger in dieser Kunst wenig Erfahrung hatten.


Zu den wichtigen Kunden dieser Zeit zählten die Wirtschaften „Sonne“ und „die Beiz“, die Most und einfachen Pfälzer Wein ausschenkten.

Ein weiteres Standbein war das Abfüllen von Wein, Most und Apfelsaft in Flaschen. Der im Herbst in der Gemeindekelter gepresste Saft wurde geklärt, erhitzt und in 50-Liter-Glasballons zwischengelagert. In der ruhigeren Jahreszeit wurde der Saft erneut erhitzt, auf Flaschen gefüllt und mit Kronkorken verschlossen. Auch der ausgebaute Wein wurde auf Flaschen gezogen, verkorkt und etikettiert.

Neben der Küferei betrieb die Familie eine kleine Landwirtschaft. Kartoffeln und Getreide wurden angebaut. 1950 war ein sehr guter Herbst, da konnte sich auch der Küfer den Photographen Henseling leisten und Werbung für Fässer, Traubenbutten, Zuber und Kübel machen.

Die Familie Münsinger 1950
Die Männer bei der Arbeit: Rudolf, Manfred und Gustav
Füllensgasse 6 - Ende 1950ger

Als die Nachfrage nach Holzfässern zurückging, kam ein zweites Standbein hinzu: der Getränkehandel sowie ein Laden für Spirituosen.

Gustav Münsinger starb 1966.

Sein Sohn Manfred Münsinger führte das Geschäft weiter. Als der Betrieb durch den wachsenden Getränkehandel zu eng wurde, errichtete er 1968 in der Frankfurter Straße ein neues Gebäude und verlagerte dorthin Getränkehandel, Küferwerkstatt, Brennerei und Mosterei. Der Getränkehandel besteht noch heute in der Frankfurterstraße 47–49 [4]

Die Ausstellung

Die Exponate der Küferei stammen überwiegend aus dem 2020 aufgelösten Weinmuseum in Horrheim. Das Weinmuseum in der Alten Kelter wurde 1976 eröffnet und 2020 im Zuge der Sanierung des Gebäudes geschlossen. Heute dient die Alte Kelter wieder als Veranstaltungsort, um an historischer Stelle Wein zu genießen und Feste zu feiern. Der alte Kelterbaum, ein Brennkessel aus Vaihingen sowie eine kleine Weinpresse sind dort weiterhin zu sehen. [5] Ein Großteil der Ausstellung wurde an eine Shopping Mall in Shanghai verkauft [6] die Küferwerkstatt wurde dem Museum auf dem Schafhof überlassen.

Werkzeuge des Küfers

Die Seilwinde

Seilwinde
Seilwinde

Die Seilwinde diente dazu, die Holzdauben (die gebogenen Bretter eines Fasses) eng zusammenzuziehen, damit das Fass seine Form erhielt und die Reifen aufgesetzt werden konnten:

  • Die Dauben wurden auf einer Arbeitsplattform aufgestellt.
  • Mit der Seilwinde zog der Küfer sie fest zusammen.
  • Anschließend konnten die Fassreifen über die Dauben getrieben werden, bis das Fass dicht war.

Der Spundlochbohrer

Spundlochbohrer
Spundlochbohrer

Mit diesem Werkzeug bohrte der Küfer das Spundloch in das fertige Fass:

  • Durch das Spundloch wird das Fass befüllt, entleert oder belüftet.
  • Es befindet sich an der obersten Stelle der Fasswand (bei liegendem Fass).
  • Nach dem Befüllen wird es mit einem Spund aus Holz oder Gummi verschlossen.

Auszieheisen – Schaber – Schäleisen

Auszieheisen
Auszieheisen

Diese Werkzeuge dienten der Formgebung und Glättung der Fassoberflächen:

  • Auszieheisen: Zum Nacharbeiten der Innenflächen der Dauben, damit sie beim Zusammenfügen dicht schließen.
  • Schaber: Zum Glätten und Reinigen der Fassoberflächen nach dem Zusammenbau.
  • Schäleisen: Zum Formen der Dauben, insbesondere der Fasswölbung und Stoßkanten.



Daubenlehre
Fügebock


Die Fassherstellung – Arbeitsschritte


Film zur Fassherstellung

  • Der letzte Küfer - Albert Fezer , Schorndorf 2018: YouTube-Link

Einzelnachweise und Literatur

  • Deutsches Museum: Handwerksgeschichte – Der Küfer und das Fasshandwerk
  • Handwerkskammer Stuttgart: Berufsporträt Fassküfer / Böttcher
  • Freilichtmuseum Stübing: Traditionelle Fassbinderei
  • Deutsches Weininstitut: Eichenfässer und ihre Bedeutung für den Weinausbau